Mythen zum Stillen/Ammenmärchen

Hier veröffentlichen wir für Sie Ammenmärchen und andere Mythen über das Stillen.

 



Mit freundlicher Genehmigung des BDL - Berufsverbandes Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V.,
www.bdl-stillen.de, zusammengetragen von Gudrun von der Ohe, Ärztin sowie IBCLC.

Die Trinkmenge der Mutter beeinflusst die Milchmenge

Falsch! Weder macht viel Trinken viel Milch, noch kann wenig Trinken die Milchmenge mindern. Viel trinken führt zu häufigem Wasserlassen, wenig Trinken beeinträchtigt den Kreislauf. Stillende Frauen sollten sich nach ihrem Durstgefühl richten. Die Milchmenge wird beeinflusst durch häufiges und langes Stillen.

Hoffen wir, dass es bald wieder eine stillfreundlichere Gesellschaft gibt.

Stillen ist Schuld an allem

Falsch! Die Familienmitglieder, das Gesundheitspersonal, Nachbarn und Freunde werden dem Stillen die Schuld geben, wenn Mutter oder Kind müde, nervös, weinerlich oder krank sind. Wann immer etwas eintrifft, das nicht in das Bilderbuchleben hineinpasst, wird der Mutter von jedermann geraten, dass es besser sei, mit dem Stillen aufzuhören. – Leider! Hoffen wir, dass es bald wieder eine stillfreundlichere Gesellschaft gibt.

Abends reicht meist die Milch nicht aus

Falsch! Weltweit sind die Säuglinge abends unruhiger – unabhängig davon, ob sie gestillt werden oder nicht. Stellen Sie sich vor, Sie sind zum 8-Gänge-Menü eingeladen. So möchten es unsere Kleinen. Nach dem abendlichen Menü schlafen sie oft bis zu fünf Stunden. In der Fachsprache heißt das „Clusterfeeding“. Die Babys bekommen so abendlich genug Kalorien und reservieren sich mit dem häufigen Trinken gleichzeitig die Milchmenge für den nächsten Tag.

Ein Stillkind hat bis zum Ende der Stillzeit mindestens 7–12 Mahlzeiten pro Tag

Falsch! In den ersten 4–6 Wochen sind diese Angaben unter Berücksichtigung des Clusterfeedings normal. Danach ist die Stillhäufigkeit individuell. Manche Kinder bleiben bei dieser Stillfrequenz, andere stillen viel seltener. Entscheidend ist dabei die Gewichtszunahme.

Es müssen Abstände zwischen dem Stillen von zwei Stunden eingehalten werden

Falsch! Das ist eine willkürliche Festlegung. Häufiges Stillen macht keine Bauchschmerzen, auch dann nicht, wenn der Magen nicht ganz entleert war. Wichtig ist, dass die Babys an die energiereiche Hintermilch kommen. Mal ehrlich – bekommen Sie Bauchschmerzen, wenn Sie kurz nach dem Essen wieder Appetit haben und evtl. etwas Süßes hinterher essen? Bei Muttermilch sind kurze Stillabstände erlaubt – wer das Gegenteil sagt, zeigt damit, wie „frei von Wissen“ er zum Thema Stillen ist.

Meine Milch ist zu dünn bzw. schlecht für mein Kind. Es wird deshalb nicht satt

Falsch! Die Muttermilch entspricht bei allen Frauen den Bedürfnissen des Babys. Sie enthält zu 88 % Wasser, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Die anderen Bestandteile setzen sich größtenteils aus Fett, Milchzucker und Eiweiß zusammen, genau in der für Menschenbabys notwendigen Menge. Lässt man abgepumpte Milch stehen, setzt sich das Fett oben ab, die Milch darunter sieht evtl. leicht bläulich aus. Das ist normal. Durch vorsichtiges Erwärmen und leichtes Schütteln löst sich das Fett wieder in der Flüssigkeit.

Wenn die Mutter was Falsches gegessen hat, bekommt ihr Baby Bauchschmerzen

Falsch! Es gibt keine Still-Diäten. Noch nie haben wir die Möglichkeit gehabt, unser Essen so auszuwählen, wie in den letzten 50 Jahren. Früher waren wir froh, überhaupt etwas zu Essen zu haben. Den Kindern ging es damals nicht schlechter. Allerdings sollte nicht unbedingt Außergewöhnliches an Essen ausprobiert werden.

Durch Stillen bekommt man Hängebrüste

Falsch! Die Form der Brust ist genetisch festgelegt. Die Brust wird in der Schwangerschaft auf das Stillen vorbereitet, diese Veränderung passiert unabhängig vom Stillwunsch der zukünftigen Mutter. Nach der Schwangerschaft oder Stillzeit dauert es einige Zeit, bis das Drüsengewebe sich zurückgebildet hat und wieder mehr Fett eingebaut wird. Dann hat die Brust wieder ihre Form.
Die größten Veränderungen passieren somit durch die Schwangerschaft und allgemein durch das Älterwerden. Wer keine Veränderung an der Brust möchte, muss beides verhindern.

Bei vielen Krankheiten oder Medikamenteneinnahmen muss eine Stillpause eingelegt werden

Falsch! Es gibt nur wenige Erkrankungen der Mutter, bei denen nicht gestillt werden darf, z. B. bei einer HIV-Infektion der Mutter. Auch bei Medikamenteneinnahmen kann meist ein stillverträgliches Medikament gewählt werden. Eine individuelle Beratung von kompetentem Fachpersonal ist jedoch erforderlich.

Wenn Babys abends richtig satt und vollgefüllt sind, schlafen sie besser

Falsch! Das ist ein Argument, das die Industrie gern ausnutzt, damit der „Gute-Nacht-Brei“ gefüttert wird. Doch leider funktioniert es weder bei uns Erwachsenen, noch bei den Babys. Wir Erwachsene sollen abends eine leichte Kost zu uns nehmen, um besser schlafen zu können. Babys haben ein anderes Schlafverhalten als Erwachsene, doch auch sie werden nachts meist nicht deshalb wach, weil sie Hunger haben, sondern aus anderen Gründen. Sie schlafen gern beim Stillen wieder ein, Stillen macht sowohl das Baby als auch die Mutter müde.

Nach dem 6. Lebensmonat dürfen Babys nachts nicht mehr gestillt werden

Falsch! Es gibt dazu keinerlei wissenschaftlichen Studien, es wird nur immer voneinander abgeschrieben. Weder gewöhnen sich Babys an nächtliches Essen lebenslang, noch werden sie zu dick. Babys werden durch das Stillen nicht überfüttert, sie sollen aber noch zunehmen. Zudem ist Stillen mehr als nur Ernährung, es stillt alle Bedürfnisse.

Nach 6, 7, 10,... Monaten gehört die Brust wieder dem Mann, die Mutter sollte nun langsam abstillen

Falsch! Wie ein Paar mit Sex nach der Schwangerschaft umgeht, ist individuell und von der Stillzeit unabhängig. Generell gehört der Busen der Frau und weder dem Kind noch dem Mann.

Wenn eine Frau wieder schwanger ist, darf sie nicht weiterstillen

Falsch! Es gibt keine Untersuchungen, die bestätigen, dass das Stillen eine erneute Schwangerschaft beeinträchtigt. Es kann für die Mutter aber anstrengend sein. Die Brustwarzen werden jedoch am Anfang der erneuten Schwangerschaft empfindlicher. Trotzdem wird empfohlen, bei Neigungen zu Frühgeburten vorsichtshalber abzustillen. Die Milchzusammensetzung wird wieder dem Kolostrum angepasst, der Geschmack kann sich dadurch leicht ändern. Stillen während einer erneuten Schwangerschaft ist eine individuelle Entscheidung, die jede Familie selbst treffen sollte.

Langes Stillen – über ein Jahr hinaus – verzieht die Kinder

Falsch! Die globale Strategie der Säuglingsernährung empfiehlt weltweit ein ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten sowie ab dem sechsten Lebensmonat Zufüttern von geeigneten Nahrungsmitteln mit weiterem Stillen bis zu zwei Jahren und länger. Wie lange ein Kind gestillt wird, sollte jede Familie für sich entscheiden. Jede Industriegesellschaft scheint einen eigenen Mythos zu haben, warum nicht länger gestillt werden darf: In Deutschland sind es die Schadstoffe, in England werden die Kinder homosexuell (egal welchen Geschlechts), in Amerika ist es sexueller Missbrauch. Studien zu den Behauptungen fehlen.

Weiße Lebensmittel z.B. Sahne, Milch, Joghurt, Quark machen Milch

Falsch! Die Molkerei-Industrie lässt grüßen. Die Milchmenge lässt sich am meisten durch die Stillfrequenz beeinflussen. Häufiges Stillen, ausreichend lange Stillmahlzeiten sowie ggf. Wechselstillen (re, li, re, li) erhöhen die Milchmenge. Lebensmittel können dies kaum beeinflussen. Jedoch können Bockshornkleesamen oder Vitamin B die Milchbildung anregen.

Bei jeder Stillmahlzeit müssen beide Brüste leer getrunken werden, sonst gibt es einen Milchstau

Falsch! Eine Brust kann nie leer getrunken werden, sie funktioniert nicht wie eine Flasche. Es wird ständig Milch nachgebildet. Die Brüste sollten nach der Stillmahlzeit weicher sein. Ein ausreichend langes Stillen an der einen Seite und bei Bedarf an der anderen Seite sowie ein Wechsel zwischen den Seiten ist ausreichend. Ein Milchstau wird durch Stress verursacht. Stress kann verschiedene Ursachen haben.

Wenn ich stille, darf ich keinen Sport treiben, denn dann wird meine Milch sauer und mein Kind mag die verdorbene Milch nicht trinken

Falsch! Jede stillende Mutter darf Sport treiben. Aber auch während der Stillzeit gilt: Langsam beginnen, damit sich der Körper anpassen kann. Muskelkater ist ein Zeichen von Überanstrengung der Muskulatur. Nach exzessiven sportlichen Tätigkeiten kann sich die Milch gering geschmacklich verändern. Das ist jedoch nicht gesundheitlich beeinträchtigend für das Baby. Die Milch ist weder schlecht noch verdorben.

Stillen führt zu Haarausfall

Falsch! Während der Schwangerschaft ist alles auf Erhalt angelegt. Der normale Haarausfall geht dadurch zurück. Ca. drei Monate nach der Geburt wird der Haarausfall nachgeholt und die Haarmenge kann vorübergehend geringer sein. Dieses Phänomen tritt unabhängig vom Stillen ein.

Stillen zehrt, die Mutter verliert immer mehr an Gewicht, das Kind saugt die Mutter aus

Falsch! Normalerweise hat der Körper während der Schwangerschaft ein Polster angelegt. Stillen erleichtert die Gewichtsreduktion der Mutter. Ein Kind zu haben ist anstrengend. Die Frauen sollten darauf achten, dass sie nicht zu kurz kommen. Meist denken sie an sich selbst zuletzt; Baby, Kinder, Ehemann und Haushalt haben Vorrang. Da hilft es den Frauen, sich selbst auch etwas Gutes tun zu können. Ein Mittagsschlaf z.B. ist kein Luxus, sondern eine Pflichtübung einer jungen Mutter. Unabhängig davon, ob sie stillt oder nicht. Muttersein bedeutet Präsenz 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr – ohne gesetzlich geregelte Ruhephasen. Das wird keinem Arbeitnehmer zugemutet und hier benötigen die Frauen Unterstützung!

Vorbereitung auf das Stillen

Zusammensetzung der Muttermilch

Wie lange soll gestillt werden?

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